Crossfit

Marina Schedler · September 20, 2017 · Allgemein · 0 comments

Eine Reportage über Crossfit für die Tageszeitung „NEUE“

Sportlerin: Sarah Türtscher

Autor: Dominic Schedler

Fotografie: Marina Schedler

Alle Fotos findet ihr unter Portfolio „Crossfit“:

Reportage – Crossfit

Verrückt nach Mary

Was haben Cindy, Amanda, Fran und Mary gemeinsam? Sie rauben einem vom ersten Moment an den Atem. Die Ursache ist weniger deren Attraktivität geschuldet, als der Tatsache, dass bestimmte Workouts beim CrossFit nach diesen Frauennamen benannt sind.

Eine junge Dame, die sich mit vollem Körpereinsatz dieser, von Greg Glassman entwickelten Sportart verschrieben hat, ist Sarah Türtscher aus Hard. Die 28- jährige CrossFit- Trainerin eröffnete mit ihrer Geschäftspartnerin Sabrina Feurstein vor kurzem in der Wolfurter Bahnhofstraße 12 das CrossFit Westpack. Damit machen die beiden Powerfrauen mit einer ursprünglich amerikanischen Trendsportart nun auch das Vorarlberger Unterland stark.

Mit Westpack zum Sixpack. Wer sich also durch ungehemmten Verzehr von Süßigkeiten über die Jahre einen Naschbärbauch angegessen hat, kann durch die professionelle Fitnessbetreuung der beiden Amazonen bald stolz einen definierten Waschbrettbauch präsentieren. Die 200 m² große CrossFit Box glänzt neben einer ausgezeichneten Ausstattung mit einem zusätzlichen Outdoorbereich, wo Fitnessbegeisterte sich bis zur völligen Erschöpfung austoben können. Von Kletterseilen, Turnringen und Klimmzugstangen bis zum riesigen Traktorreifen ist hier alles vorhanden, was das Sportlerherz begehrt.

„Das einstündige Training wird in Gruppen von bis zu 8 Personen abgehalten und beginnt in der Regel mit einer Besprechung des geplanten Ablaufes. Anschließend wird sorgfältig aufgewärmt und gedehnt, um den Körper auf Betriebstemperatur zu bringen.“ schildert Sarah Türtscher die Vorgehensweise im Training. „Es folgt meist ein sogenannter Kraft- bzw. Skillteil, wobei bestimmte Übungen unter Anleitung der Trainer durchgeführt werden. Dies garantiert eine korrekte Ausführung und minimiert das Verletzungsrisiko.“ Charakteristisch beim CrossFit sind besonders Übungen, die mit dem eigenen Körpergewicht ausgeführt werden, wie das sogenannte „toes to bar“. Sarah Türtscher hängt sich zur Demonstration an eine Klimmzugstange und führt ihre Füße mit gestreckten Beinen mehrmals hintereinander hoch an die Stange. Was bei der durchtrainierten Sportlerin vielleicht mühelos aussieht, erfordert eine extrem starke Bauchmuskulatur und bringt garantiert jeden noch so fitten Sportler an seine Grenzen.

„Die anschließenden Workouts beinhalten spezielle Übungen die mehrmals hintereinander durchgeführt werden und sind oft nach Frauennamen benannt. So besteht eine „Mary“ zum Beispiel aus einer Runde von 5 Handstand Push- Ups, 10 Pistols und 15 Pull- Ups, die in 20 Minuten so oft wie möglich durchgemacht wird.“ erklärt Sarah Türtscher. „CrossFit ist somit nicht nur eine Fitnesstrainingsmethode, sondern zugleich ein Wettkampfsport.“

Um eine Vorstellung davon zu bekommen, drückt sich die Modellathletin erst mehrmals aus dem Kopfstand in den Handstand. Ohne Pause folgen Kniebeugen auf einem Bein und zum Abschluss der Runde zeigt sie 15 perfekt ausgeführte Klimmzüge. „Wir bringen bei den Workouts stetige Abwechslung ins Spiel, so dass es für unsere Mitglieder dauerhaft interessant bleibt. „Keep the body guessing“ ist eines der Prinzipien, die unseren Fortschritt und Erfolg ausmachen.“ ist die Harderin überzeugt.

From zero to hero. Warum aber findet Headcoach Sarah Türtscher ihre Erfüllung gerade im knallharten CrossFit und nicht etwa beim gemütlichen Weidenflechten? „Meine Jugend kann man durchaus als bunt betrachten. Ich rauchte viel, besuchte alle möglichen Konzerte und machte regelmäßig die Nacht zum Tag. Sport und körperliche Ertüchtigung waren für mich früher Fremdwörter.“ lautet Sarah Türtschers ehrliche Antwort. Mit 22 Jahren kam der damaligen Psychologie Studentin dann der Zufall in die Quere. „Eher aus Gründen des schlechten Gewissens, als aus wahrer Leidenschaft meldete ich mich bei einem Innsbrucker Fitnessstudio an. Phasenweise ging ich morgens sogar hin und mühte mich gedankenverloren auf dem Stepper ab, während ich in einen Fernseher starrte.“ Da sie immer zur selben Zeit auf der Tretmühle stand, bekam sie regelmäßig eine Werbung über CrossFit zu sehen. Die Wirkung blieb nicht aus. Irgendwann siegte die Neugierde und nach einiger Recherche im Internet fand sich Sarah Türtscher in einer alten Garage des damals neu eröffneten CrossFit Innsbruck zum Probetraining wieder. In dieser spartanisch eingerichteten Location gab der ehemalige Gewichtheber Thomas Hölzl den Ton an. Jeden Abend wurden hier für drei Stunden die Körper gestählt und die junge Studentin versuchte mit Begeisterung mitzuhalten, so gut es ihre (un)sportliche Verfassung zuließ. Der innere Schweinehund wich rasch einem ordentlichen Muskelkater, der wiederum bald einem bärigen Kampfgeist Platz machen musste. „Anfangs lernte ich grundlegende Bewegungsabläufe, verbesserte meine Haltung und konzentrierte mich auf meine Körperspannung. Schnell merkte ich wie sich meine Selbstsicherheit steigerte und ich in der Lage war, mir Ziele zu setzen und sie auch rasch zu erreichen.“ erinnert sich die junge Sportlerin. „Mein Äußeres veränderte sich durch das intensive Training und die entsprechende Ernährung sehr schnell und aus meiner Figur, die man heute als „skinny fat“ bezeichnen würde, entwickelte sich ein muskulöser Körper.“ Doch Sarah Türtscher wollte mehr und so begann sie parallel zum Studium eine Ausbildung zur CrossFit Trainerin. In dieser intensiven Zeit wurde ihr eines klar: das Psychologie Studium erwies sich als optimale Ergänzung zu ihrer Leidenschaft CrossFit. Die Kombination erwies sich als ausgezeichnete Prävention von gesundheitlichen Problemen. Ein Wissensvorsprung, der ihr heute als Trainerin zu Gute kommt.

Taking care of business. Nach Abschluss des Studiums entschloss sich Sarah Türtscher im Frühjahr 2016 dann wieder ins schönste Bundesland der Welt zurück zu kehren. Die mittlerweile hoch ambitionierte Sportlerin trainierte zu dieser Zeit bei Ländle CrossFit in Hohenems und betätigte sich dort auch als Trainerin. Angetrieben von eisernem Willen und nicht enden wollender Energie, erstellte sie bald einen eigenen Businessplan um sich den Traum der Selbstständigkeit zu verwirklichen. Am 12. Juni 2017 war es dann soweit und Sarah Türtscher eröffnete mit Sabrina Feurstein das CrossFit Westpack in Wolfurt.

Doch Sarah Türtscher wäre nicht „the leader of the pack“, wenn sie nicht schon weitere Pläne schmieden würde. „Derzeit befinde ich mich mitten in den Vorbereitungen zum „Swiss Alpine Battle“. Ein CrossFit- Wettkampf der Mitte September im Schweizer Kanton Wallis stattfindet. Das Teilnehmerfeld ist stark und auf die 35 besten Anwärter reduziert. Es werden dort sogar CrossFit- WM- Teilnehmer mit am Start sein.“ erzählt sie voller Vorfreude. „Mein Trainingspensum umfasst momentan 20 Stunden in der Woche. Ich möchte mich da auf keinen Fall blamieren!“ Zwei Wochen später steht dann mit dem „Austrian Champions Day“ ein weiterer Wettkampf auf dem Programm. Außerdem ist für nächstes Jahr ein Umzug des CrossFit Westpack in eine neue Halle in Lauterach geplant. Und wie reagieren Familie und Freunde auf die ehrgeizigen Vorhaben der jungen Powerfrau? „Sie wissen, dass ich in CrossFit meine Leidenschaft gefunden habe und stehen zu hundert Prozent hinter mir. Natürlich ist mir bewusst, dass Frauen im Kraftsport immer polarisieren werden, aber ich fühle mich absolut wohl in meiner Haut. Normal sein kann jeder.“ Diesem starken Argument von Sarah Türtscher gibt es wohl kaum etwas entgegenzusetzen.

 

 

Profil:

Name: Sarah Türtscher

Geboren am: 27.03.1989

CrossFit Westpack:

Adresse: Bahnhofstraße 12, 6922 Wolfurt

E- Mail: sarah@crossfitwestpack.at

 

Leave a Comment!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.