Wrestling

Marina Schedler · August 21, 2017 · Allgemein · 0 comments
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Ich durfte letzte Woche einen talentierten Vorarlberger Ringer fotografieren. Der Artikel wurde in „die Neue“ Zeitung veröffentlicht. Die Fotos findet ihr auf meiner Website unter Portfolio http://www.marinaschedler.com/portfolio/reportage-wrestling/

Großes Dankeschön an den Ringer Lukas Staudacher und den Autor Dominic Schedler.

Den ganzen Artikel könnt ihr auch hier lesen:

Der große Wurf

Als umgangssprachlich „großer Wurf“ kann der 20 jährige Lukas Staudacher aus Hörbranz in doppelter Hinsicht bezeichnet werden. Zum Einen erinnert sein Spitzname „Staudi“ zwar an ein zartes Pflänzchen, mit 85 Kilogramm bringt der junge Ringer allerdings ein beachtliches Kampfgewicht auf die Waage. Zum Anderen ist Staudacher bereits einer der erfolgreichsten Ringer des Landes, der sogar bei internationalen Veranstaltungen erfolgreich mitmischt. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, dass die großen Turniere wie Europa- und Weltmeisterschaften klar von Nationen wie Russland, USA, Bulgarien oder der Türkei beherrscht werden.

Ringen zählt zu den ältesten Sportarten der Welt und wurde bereits im antiken Griechenland ausgeübt. Bei den Olympischen Spielen des Altertums galt es unter dem Namen Pale als eine Disziplin des Fünfkampfes.
Heutzutage wird im Ringen zwischen zwei Stilarten unterschieden: Freistil, bei dem der ganze Körper als Angriffsfläche dient und Griechisch- Römisch, bei dem nur der Körper oberhalb der Gürtellinie angegriffen werden darf. „In einem Kampf, der insgesamt sechs Minuten dauert, ist nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern vor allem auch eine gute Technik entscheidend. Als Sieger geht derjenige von der Matte, der den Gegner auf die Schultern zwingt und fixiert, oder eine Differenz von acht Punkten erreicht.“ erklärt Lukas Staudacher die Grundregeln. „Nach drei Minuten Kampfzeit gibt es eine kurze Pause von 30 Sekunden, in denen man sich taktische Ratschläge vom Trainer holen kann, oder einfach nur Luft zugefächert bekommt“. Staudacher ist ein Griechisch- Römisch- Spezialist und bekannt für seinen langen Atem. Durch seine hervorragende Ausdauer kann er auch in den letzten Sekunden eines Kampfes noch zu kraftraubenden Griffen ansetzen. Viele der Techniken bedienen sich der Hebelwirkung und sind äußerst spektakulär anzusehen. Ein guter Ringer wie Lukas Staudacher besitzt die Fähigkeit aus einer scheinbar aussichtslosen Lage reflexartig gewaltige Kräfte freizusetzen und seinen Gegner durch die Luft zu werfen. Einer seiner Lieblingsgriffe ist der Schleuder, bei dem der Gegner aus dem Stand über die Brust geworfen wird. Eine imposante Technik, die dem einen oder anderen Wrestling- Fan bekannt sein dürfte.

Die Namen der angewendeten Griffe klingen für einen Laien eher ungewöhnlich und könnten durchaus für Verwirrung sorgen. Begriffe wie Hüftschwung, Aufreißer oder gar Amerikanische Wende werden bei Unwissenheit leicht den tänzerisch- flirtenden Zeitgenossen, oder sogar der aktuellen politischen Lage zugeordnet. Spätestens aber bei Beinschraube, Kopfklammer oder Nackenhebel kann sich jeder ausmalen wie es sich anfühlt, von einem Ringer in die Mangel genommen zu werden.

Trotzdem sind beim Ringen Verletzungen sehr selten. „Richtig fallen zu lernen ist eine der ersten und wichtigsten Übungen, die unsere Schüler lernen. Gefährliche Griffe, die die Gesundheit des Gegners gefährden sind sowieso tabu!“ betont Lukas Staudacher die Fairness dieses Sportes.

Sorgfältig abgewogen

Wie kommt eingentlich ein junger Bursche wie Lukas Staudacher zum Ringen? „Als ich vier Jahre alt war, nahm mich mein Papa eines Tages mit zum Training. Er war damals Schülertrainer beim AC- Hörbranz und ich durfte das erste Mal Mattenluft schnuppern“, erinnert sich Staudacher. Diese Schilderung trifft den Nagel auf den Kopf. Tatsächlich kann man im Ringerlokal dieses Traditionsclubs den Siegeswillen der Kämpfer förmlich riechen. Es herrscht eine sehr charakteristische Atmosphäre, die durchaus süchtig machen kann. Lukas Staudacher hat damals bereits ohne es zu wissen, seinen ersten Kampf verloren. Er erlag dem Ringsport vom ersten Augenblick an. Als Kind natürlich spielerisch, steigerte sich mit zunehmendem Alter die Trainigsintensität. Die Erfolge ließen damit nicht lange auf sich warten und Staudacher gewann die ersten Meisterschaften. Mit 18 Jahren folgte nach der Grundausbildung aufgrund der guten sportlichen Leistung die Aufnahme ins Heeresleistungssportzentrum (HLSZ) in Salzburg. Dort wurden jeden Tag mehrstündige Kraft-, Technik- und Kampfeinheiten absolviert. Bei lockeren Tagen stand zur „aktiven Erholung“ ein Berglauf auf dem Programm. Dass sich der junge Mann in dieser Zeit beträchtlich weiter entwickelte war angesichts der hohen Trainingsintensität abzusehen. Aufgrund der schlechten finanziellen Aussichten und einiger ungünstiger Umstände, entschloss sich Lukas Staudacher schließlich jedoch gegen den Spitzensport. Eine Entscheidung, die er nur schweren Herzens fällte. Ringen sollte für ihn ein erfüllendes Hobby bleiben. Ein Hobby, das er mit viel Leidenschaft und Ehrgeiz betreibt.

Alles im Griff

Nach der Faszination des Ringsportes gefragt, antwortet Lukas Staudacher erst nach einiger Überlegung: „Ich bin der geborene Einzelsportler. In der Bundesliga stehe ich zwar auch für meine Mannschaft auf der Matte, aber im Kampf bin ich selbst für meine Erfolge und Fehler verantwortlich. Diese Herausforderung gefällt mir. Außerdem lernt man, auch in anderen Bereichen des Lebens diszipliniert und willensstark zu sein“. Spannend sind für ihn auch die körperlichen Fähigkeiten eines Ringers. „Kraft, Ausdauer, Reaktionszeit und das technische Niveau steigen bei gezieltem Training immens. Auch die akrobatische Geschicklichkeit ist sehenswert. Ein Flick- Flack oder Salto rückwärts in vollem Anlauf sind auch mit meinen 85 Kilogramm noch machbar. Man hält kaum für möglich, zu welcher Leistung ein Körper fähig ist!“ schwärmt der junge Mann weiter. Hat ein Ringer eigentlich Angst in dunklen Gassen? „Bei der Weltmeisterschaft 2016 in Frankreich stand ich dem mehrmaligen Welt- und Europameister Islam Abbasov aus Aserbaidschan gegenüber. Ein Gegner dieses Kalibers besitzt ein riesiges Arsenal an Techniken und wer einmal falsch blinzelt, wird gnadenlos auseinander genommen. Nach solchen Erlebnissen hält sich die Furcht vor einem ahnungslosen Provokateur eher in Grenzen.“ schmunzelt der sympathische Kampfsportler. Die Begegnungen mit Kämpfern aus starken Ringernationen wird Lukas Staudacher aber auch in Zukunft nicht erspart bleiben. Die Vorbereitung auf die nächste große Meisterschaft ist nämlich schon in Planung. In diesem Sinne: Hals und Beinbruch!

Profil:

Lukas Staudacher
Geboren am 05.11.1996
Wohnhaft in Hörbranz
Ringerclub: AC- Hörbranz
Bisherige Erfolge:
Junioren Staatsmeister
Mehrfacher Vizestaatsmeister
Mehrfacher Landesmeister
7- facher EM- Teilnehmer in allen Altersklassen
2- facher Junioren- WM- Teilnehmer in Zagreb und Macon
Sportlicher Höhepunkt:
Teilnahme bei der Allgemeinen EM in Serbien, da dies seit 30 Jahren keinem Ringer des AC- Hörbranz mehr gelungen ist.

Autor: Dominic Schedler

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